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Historische Ansicht der Synagoge von 1911, Sepiafotografie

Synagoge Görlitz: Gegenstand des Tekturantrags

Vorbetrachtung

Die Görlitzer Synagoge wurde im März 1911 eingeweiht. Sie stellt mit ihrer kubischen und geschlossenen Form, ihren monumentalen Proportionen, der klaren Gliederung in Funktion und Architektur eine der bedeutendsten Synagogebauten in Deutschland dar. Das Gebäude überstand als einziges im Gebiet des heutigen Freistaates Sachsen die Pogromnacht 1938. Seitdem geriet die Synagoge mehr und mehr in Vergessenheit und verfiel zusehends. Mit dem politischen Umbruch in der DDR 1989/90 und der deutschen Vereinigung erhielt die Synagoge diejenige Aufmerksamkeit, die im Ergebnis zum Erhalt dieses bedeutenden Bauwerkes führte. 

Im Jahr 2012 wurde die Synagoge als Baudenkmal mit nationaler Bedeutung eingestuft.

Grundriss der Görlitzer Synagoge von 1911

Ursprünglicher Entwurf: Architekten Lossow & Kühne Dresden 1909

Gegenstand des Tekturantrags

Die ehemalige Synagoge in Görlitz wird zu einer multifunktionellen Begegnungsstätte mit einem vielfältigen Veranstaltungsspektrum umgenutzt. Die Liegenschaft mit der baulichen Struktur der ehemaligen Synagoge unterliegt als Denkmal den Bestimmungen des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes.

Ab dem Jahr 1991 erfolgten in der ehemaligen Synagoge elementare Sicherungsarbeiten zum Erhalt der Bausubstanz, für eine baukonstruktive sowie restauratorische Instandsetzung des Hauses. Die Grundlage für die weiterführenden Baumaßnahmen in den Jahren 1996 bis 1998 bildete die vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen bestätigte denkmalspflegerische Zielstellung. 

In Folge dessen wurde eine Bestandserfassung durchgeführt, welche die noch ausstehenden Leistungen zur ganzheitlichen restauratorischen Instandsetzung sowie der baulichen Realisierung eines Umnutzungskonzeptes zu einer multifunktionalen Versammlungsstätte  zusammenfassend darstellte. Die entsprechende Nutzungskonzeption wurde 2001 aufbauend auf den Erfahrungen aus der Durchführung von Veranstaltungen in der Synagoge aus den vorangegangenen Jahren und den sich daraus ergebenen Anforderungen formuliert. Als Resultat sind die notwendigen Anforderungen im Zusammenhang mit den entsprechenden baulichen Veränderungen in Anlage 4 zur Baugenehmigung Nr. 188/2002 zusammengefasst und beschrieben worden. Alle nachfolgenden Bauabschnitte bis zu den aktuellen Fördermaßnahmen begründen sich auf dieser Unterlage.

Nach der Anfertigung eines Brandschutzgutachtens durch das Ingenieurbüro Heilmann vom 24.09.2001 für die Vollnutzung der Synagoge wurden mit einem weiteren Gutachten zur Brandschutzstellungnahme vom 04.10.2005 nutzungsspezifische Änderungen für die Teilnutzung des Erdgeschosses benannt und im Verlauf der Bauausführung umgesetzt.

Seit 2011 wird die ehemalige Synagoge durch kontinuierliche Baumaßnahmen in ihrer Gesamtheit restauratorisch saniert. Durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten innerhalb einer Projektgruppe, bestehend aus der Bauherrenvertretung, der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie den Fachplanern für die Baukonstruktion und die gebäudetechnische Infrastruktur, konnten neue Erkenntnisse über das zu erwartende Nutzungsprofil der ehemaligen Synagoge als multifunktionale Versammlungsstätte erlangt und somit Abweichungen zur ursprünglichen Nutzung definiert werden. 

Das begründet sich unter anderem auch aus den Erfahrungswerten der letzten Jahre von Anfragen für Veranstaltungen in Form von Lesungen, Konzerten und im Weiteren Ausstellungen, Führungen und Ähnliches. 

Die damit teilweise verbundenen Änderungen bedürfen einer Anpassung an die Anforderungen der Nutzung einzelner Räume. Im Zuge dessen wurde ein aktualisiertes Raumnutzungskonzept erstellt, welches auf die Bedürfnisse des zukünftigen Betreibers und die damit einhergehenden Veranstaltungen, Seminare, etc. abgestimmt ist. Vom Ingenieurbüro Heilmann ist dafür das Brandschutzkonzept in einer 1. Überarbeitung angepasst worden.

Die baurechtlich relevanten Änderungen des aktualisierten Raumnutzungskonzeptes zum Genehmigungssachstand werden als Tektur in Abweichung zur Baugenehmigung Nr. 188/2002 beantragt.

Grundrisse, Lageplan

Quellen und Bildnachweise

Benndorf, W. (1991): Beschreibungen aus Denkmalpflegerischer Dokumentation zur Synagoge Görlitz. Dresden

Heilmann, S. (2016): Brandschutzkonzept - 1. Überarbeitung zur Ehemaligen Synagoge Görlitz. Pirna

Schmidt AIB (2002): Unterlagen zur Baugenehmigung Nr. 188/2002. Görlitz

Schmidt AIB (2014): Beschreibungen aus Projektstudie zu Maßnahmen der Komplettsanierung der Ehemaligen Synagoge Görlitz. Görlitz

Ratsarchiv Görlitz: Historische Aufnahmen